Riester & Reform
Riester-Vertrag ruht: Kündigen, weiterführen oder umstellen?
„Mein Riester-Vertrag ruht schon seit Jahren: soll ich ihn jetzt kündigen, weiterführen oder umstellen?” Diese Frage hören wir in der Beratung besonders häufig. Und sie betrifft mehr Menschen, als viele denken: Von den insgesamt rund 15,2 Millionen Riester-Verträgen in Deutschland (davon rund 9,7 Millionen Versicherungsverträge; Quelle: BMAS, Statistik zu Riester-Verträgen, Stand: Ende 2025) ruht ein erheblicher Teil, ohne dass es dazu eine amtliche Einzelstatistik gibt.
Dieser Ratgeber ordnet die drei grundsätzlichen Optionen ein, ohne pauschale Empfehlung, denn die richtige Entscheidung hängt immer vom individuellen Vertrag ab.
Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet „ruhender Vertrag” eigentlich?
- Option 1: Reaktivieren
- Option 2: In ein Altersvorsorgedepot wechseln
- Option 3: Kündigen
- Entscheidungshilfe: Welche Faktoren zählen?
- Warum ein unabhängiger Check sich lohnt
- Häufige Fragen zu ruhenden Riester-Verträgen
Was bedeutet „ruhender Vertrag” eigentlich?
Ein Riester-Vertrag gilt als „ruhend”, wenn er nicht mehr aktiv bespart wird, aus unterschiedlichsten Gründen: Jobwechsel, finanzielle Engpässe, Unzufriedenheit mit dem Anbieter oder schlicht fehlende Übersicht. Das Problem dabei: Ein ruhender Vertrag erhält keine staatlichen Zulagen mehr. Das bereits angesparte Kapital bleibt zwar erhalten, aber das jährliche Förderpotenzial verfällt ungenutzt, Jahr für Jahr.
Option 1: Reaktivieren
Die naheliegendste Option ist häufig, die Bespartung einfach wieder aufzunehmen. Das hat mehrere Vorteile:
- Der bestehende Vertrag bleibt unverändert erhalten, keine neuen Abschlusskosten.
- Sie profitieren wieder von der jährlichen Grundzulage (künftig bis zu 540 Euro) und gegebenenfalls Kinderzulagen.
- Bereits angespartes Kapital wächst weiter im gewohnten Vertragsrahmen.
Sinnvoll ist die Reaktivierung vor allem dann, wenn der Vertrag grundsätzlich gute Konditionen bietet und keine gravierenden Nachteile gegenüber Alternativen hat.
Option 2: In ein Altersvorsorgedepot wechseln
Bei Versicherungs-, Fonds- und Banksparverträgen lässt sich das angesparte Kapital, je nach vertraglicher und gesetzlicher Ausgestaltung, in ein neues Altersvorsorgedepot überführen (Wohn-Riester ist als Baufinanzierungsprodukt hiervon ausgenommen). Das kann sinnvoll sein, wenn:
- der bestehende Vertrag hohe laufende Kosten hat,
- mehr Renditechancen durch einen Verzicht auf die volle Beitragsgarantie gewünscht sind,
- ein langer Anlagehorizont bis zur Rente verbleibt.
Ein wichtiger Pluspunkt der Reform: Der Wechsel ist bei Verträgen ab fünf Jahren Laufzeit kostenfrei. Bei jüngeren Verträgen darf der bisherige Anbieter höchstens 150 Euro berechnen. Das macht diese Option deutlich planbarer als frühere, teils intransparente Übertragungskosten, zusätzliche eigene Kosten des neuen Anbieters sollten Sie dabei separat vergleichen.
Option 3: Kündigen
Die Kündigung ist in den meisten Fällen die ungünstigste Option, da bereits erhaltene staatliche Zulagen zurückgefordert werden können und je nach Vertrag weitere Nachteile entstehen. Sie kann dennoch in Einzelfällen sinnvoll sein, etwa bei akuter finanzieller Notlage oder wenn ein Vertrag aus anderen Gründen wirtschaftlich keinen Sinn mehr ergibt.
Bevor eine Kündigung erwogen wird, lohnt sich in jedem Fall ein Vergleich mit den beiden anderen Optionen.
Entscheidungshilfe: Welche Faktoren zählen?
Die richtige Entscheidung hängt von mehreren individuellen Faktoren ab:
- Restlaufzeit bis zur Rente: Je länger der verbleibende Anlagehorizont, desto eher kann sich ein Wechsel oder eine Reaktivierung lohnen.
- Bereits eingezahlte Zulagen: Diese sind bei einer Kündigung potenziell rückforderbar.
- Kostenstruktur des bestehenden Vertrags: Hohe laufende Kosten sprechen eher für einen Wechsel.
- Persönliche Risikobereitschaft: Wunsch nach Garantie versus Bereitschaft zu mehr Renditechancen.
- Aktuelle Lebenssituation: Familienstand, Kinder, weitere Vorsorgeverträge.
Warum ein unabhängiger Check sich lohnt
Jeder Riester-Vertrag ist anders, Abschlussjahr, Anbieter, Kostenstruktur und Vertragsdetails unterscheiden sich erheblich. Eine pauschale Empfehlung „reaktivieren”, „wechseln” oder „kündigen” wäre daher unseriös. Als unabhängiger Versicherungsmakler nach § 34d GewO prüfen wir Ihren konkreten Vertrag, vergleichen die relevanten Optionen am Markt und zeigen Ihnen eine nachvollziehbare Einordnung, ganz ohne Verkaufsdruck.
Häufige Fragen zu ruhenden Riester-Verträgen
Verliere ich mein angespartes Kapital, wenn mein Vertrag ruht? Nein, das bereits angesparte Kapital bleibt erhalten. Es entgeht Ihnen lediglich die jährliche Förderung, solange der Vertrag ruht.
Wie lange kann ein Vertrag ruhen, bevor ich handeln muss? Es gibt keinen pauschalen Zeitpunkt, zu dem gehandelt werden muss, ein Vertrag kann grundsätzlich dauerhaft ruhen. Ungenutztes Förderpotenzial geht dabei aber laufend verloren.
Was kostet mich die Prüfung meines Vertrags? Der erste Riester-Check ist bei uns kostenlos und unverbindlich.
Kann ich mehrere ruhende Verträge gleichzeitig prüfen lassen? Ja, das ist möglich, gerade bei mehreren Verträgen aus unterschiedlichen Lebensphasen lohnt sich eine gemeinsame Betrachtung.
Passendes Tool: Der Altersvorsorgedepot-Check (9 Fragen, ca. 3 Minuten) liefert Ihnen eine persönliche Themenliste, genau der richtige nächste Schritt bei einem ruhenden Vertrag.
Sie haben einen ruhenden Riester-Vertrag und möchten wissen, welche Option zu Ihnen passt? Mehr dazu auf unserer Themenseite für Riester-Kunden oder direkt einen Beratungstermin buchen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Alle Angaben ohne Gewähr.
