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Altersvorsorgedepot für Selbständige: Förderung, Steuern und sinnvolle Schritte

Sebastian Rath 21. Juli 2026 10 Min. Lesezeit

Rund fünf Millionen Selbständige und Freiberufler in Deutschland waren bislang von der klassischen Riester-Förderung praktisch ausgeschlossen. Mit der Altersvorsorgereform 2027 ändert sich das grundlegend: Erstmals öffnet sich der Kreis der staatlich Förderberechtigten auch für diese Gruppe. Ein historischer Systemwechsel, und für viele Selbständige eine echte Chance, die eigene Altersvorsorge neu zu strukturieren.

Inhaltsverzeichnis

Warum Selbständige bisher außen vor waren

Die klassische Riester-Förderung war im Kern auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Beamte zugeschnitten. Selbständige und Freiberufler ohne eigene Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung hatten in aller Regel keinen direkten Zugang zur Riester-Zulage. Wer als Selbständiger staatlich gefördert vorsorgen wollte, war meist auf die Basisrente (Rürup-Rente) mit ihrem steuerlichen Sonderausgabenabzug angewiesen.

Was sich für Selbständige konkret ändert

Mit Inkrafttreten der Reform am 1. Januar 2027 wird der Kreis der Förderberechtigten erweitert: Selbständige und Freiberufler können künftig grundsätzlich ebenfalls das neue Altersvorsorgedepot nutzen, inklusive der Grundzulage von bis zu 540 Euro pro Jahr, sofern die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Das bedeutet nicht automatisch, dass jede Selbständige und jeder Selbständige in gleicher Höhe profitiert. Ob und in welcher konkreten Höhe die Förderung greift, hängt von der individuellen Situation, etwa Einkommenshöhe und Beitragsgestaltung, sowie der finalen gesetzlichen Ausgestaltung ab.

Altersvorsorgedepot oder Basisrente (Rürup)?

Für Selbständige stellt sich nun eine neue strategische Frage: Lohnt sich das neue Altersvorsorgedepot, die bewährte Basisrente oder eine Kombination aus beidem?

Mögliche Stärken des Altersvorsorgedepots:

  • Staatliche Zulagenförderung statt reinem Steuerabzug
  • Flexiblere Kapitalanlage in ETFs, Fonds und Aktien
  • Wählbare Garantieniveaus statt starrer Vorgaben
  • Flexibler Auszahlplan bis zum 85. Lebensjahr

Mögliche Stärken der Basisrente (Rürup):

  • Etablierter, hoher steuerlicher Sonderausgabenabzug
  • Besonders interessant bei hohem zu versteuerndem Einkommen
  • Langjährig bewährte Produktstruktur am Markt

Für viele Selbständige kann eine Kombination beider Schichten sinnvoll sein: die Basisrente zur Nutzung des Steuervorteils, ergänzt durch das Altersvorsorgedepot zur Nutzung der neuen Zulagenförderung. Ob und in welcher Gewichtung das für Ihre Situation passt, lässt sich nur individuell beurteilen.

Steuerliche Behandlung: was gilt, was ist offen

Eine der meistgestellten Fragen lautet: Ist die Förderung für das Altersvorsorgedepot bei Selbständigen steuerlich absetzbar? Diese Frage betrifft im Kern die Ausgestaltung des Sonderausgabenabzugs und unterscheidet sich grundsätzlich vom Zulagensystem des Altersvorsorgedepots.

Wichtig: Wir sind unabhängiger Versicherungsmakler und keine Steuerberatung. Die konkrete steuerliche Behandlung Ihrer Beiträge, insbesondere im Zusammenspiel aus Zulage und möglichem Sonderausgabenabzug, sollte in jedem Fall mit Ihrem Steuerberater abgestimmt werden. Wir ordnen die versicherungs- und vorsorgeseitigen Fragen sachlich ein und arbeiten bei Bedarf eng mit Steuerberaterinnen und Steuerberatern zusammen.

Flexible Beiträge bei schwankenden Einkünften

Ein zentrales Problem klassischer Vorsorgeprodukte für Selbständige: starre monatliche Beitragspflichten passen selten zu schwankenden Einkünften. Das Altersvorsorgedepot ist grundsätzlich auf mehr Flexibilität ausgelegt, der neue Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro pro Jahr, deutlich niedriger als frühere Einstiegshürden.

Das erlaubt eine Strategie, die zur Realität selbständiger Erwerbstätigkeit passt: in guten Monaten oder Jahren höhere Beiträge, in schwächeren Phasen reduzierte oder ausgesetzte Einzahlungen, je nach konkreter Vertragsgestaltung.

Sinnvolle nächste Schritte für Selbständige

  1. Bestehende Vorsorge sichten: Basisrente, private Rentenversicherung, betriebliche Vorsorge, Immobilien.
  2. Einkommenssituation realistisch einschätzen: auch mit Blick auf mehrere Jahre.
  3. Vergleich ohne Anbieterbindung einholen: Altersvorsorgedepot versus Basisrente versus Kombination.
  4. Steuerberater einbinden: für die verbindliche steuerliche Bewertung Ihrer individuellen Situation.
  5. Absicherungslücken mitdenken: gerade Berufsunfähigkeit ist für Selbständige oft der kritischere erste Baustein.

Häufige Fragen für Selbständige

Bin ich als Freiberufler automatisch förderberechtigt? Selbständige und Freiberufler sind ab 2027 grundsätzlich neu förderberechtigt. Ob und in welcher Höhe im Einzelfall, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab.

Muss ich meine Basisrente kündigen, um das AVD zu nutzen? Nein, grundsätzlich ist eine Kombination beider Produkte möglich. Ob das für Sie sinnvoll ist, klären wir im persönlichen Gespräch.

Was, wenn meine Einkünfte stark schwanken? Das Altersvorsorgedepot ist auf flexible Beitragsgestaltung ausgelegt, Details zur konkreten Umsetzung besprechen wir individuell.

Wie finde ich heraus, ob sich AVD, Rürup oder beides für mich lohnt? Im Rahmen einer persönlichen Beratung vergleichen wir Ihre Optionen konkret und ohne Bindung an einen einzelnen Anbieter.


Passendes Tool: Mit dem Förderrechner 2027 (ca. 1 Minute) sehen Sie eine erste Orientierung, wie viel staatliche Förderung Ihnen als Selbständige oder Selbständiger ab 2027 zustehen könnte.

Sie sind selbständig oder freiberuflich tätig und möchten wissen, was die Reform für Sie bedeutet? Erfahren Sie mehr auf unserer Themenseite für Selbständige & Freiberufler oder vereinbaren Sie direkt einen Beratungstermin.

Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung. Für verbindliche steuerliche Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater.

Sebastian Rath, Unabhängiger Versicherungsmakler

Sebastian Rath

Unabhängiger Versicherungsmakler (§ 34d GewO)

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